Mittelalter-Turnier Ebhausen

Mancher möchte gerne die Zeit zurückdrehen. Kürzlich ergab eine Umfrage in Deutschland, dass viele Mitmenschen am liebsten in den Achtzigern des vorigen Jahrhunderts leben würden. Die Bogenabteilung des SV Ebhausen liebt es noch extremer. Dort wurde zum internen Mittelalter-Turnier eingeladen und für einen Tag so getan, als würde man sich im Jahr 1216 befinden. In der Einladung heißt es: „Ihr müsset schießen mit dem Bogen auf 12 Schritt Distanz, welche sich Runde um Runde erhöhet. Jeder darf bey Beginne des Turnieres fünf Pfeile im Köcher tragen. Ein jeder geschossene Pfeil, der nicht im Kreise stecket, darf für die nachfolgenden Runden nicht mehr verwendet werden. Schlussendlich verbleibet der trefflichste Schütze.“

So fanden sich am Sonntag auf dem Ebhäuser Bogenplatz trotz brütender Hitze 15 Bogner ein, fast alle waren mittelalterlich gekleidet. Zu Beginn des friedlichen Wettstreits, auf den kurzen Distanzen, trafen fast alle das Ziel. Als die Entfernung dann aber ständig vergrößert wurde, landeten immer mehr Pfeile zwar noch auf den Strohballen, aber außerhalb des Zieles und wurden im dafür bereit gestellten Weidenkorb aus dem Wettbewerb genommen. Nach und nach lichteten sich die Reihen der Kämpfer deutlich, weil schon einige ihre fünf Pfeile „aufgebraucht“ hatten. In Runde acht standen nur noch fünf Recken an der Schießlinie, von denen dann Sebastian von Schönreuth und Sarah von der Achalm mit ihrem letzten Pfeil den Zielkreis verfehlten. In der nächsten Runde musste Hansjörg von Baden die Waffen strecken. So blieben nur noch Thomas vom Bergwald und Bruder Harald, der Mönch, im Wettkampf. Beide lieferten sich bis zur Runde zwölf einen spannenden Wettstreit. Jeder hatten noch zwei Pfeile im Köcher. Jetzt musste bald die Entscheidung fallen! Die befiederten Geschosse schwirrten von den Sehnen und bohrten sich in das Stroh. Der Mönch, der mit seiner schweren Kutte schon sichtlich unter der Bruthitze litt, verfehlte mit beiden Pfeilen das Ziel ganz knapp. Thomas, der Recke vom Rohrdorfer Bergwald dagegen bracht beide Pfeile im Kreis unter und wurde so zum Turnier-Sieger. Ihm wurde eine mittelalterlich gestaltete Urkunde überreicht, in der es am Ende heißt: „Ewiglich währender Ruhm solle Euch gewiss seyen“. Der Sonderpreis für Platz sieben – ein Mittelalter-Pfeil – ging an Nicole aus dem Täle. Der junge Knappe Alexander von Monhardt hat einige Runden tapfer mitgehalten und wurde ebenfalls mit einem Preis belohnt.

Schon vor dem Bogen-Wettkampf wurde stilgerecht über dem offenen Feuer im großen Kessel ein kräftiges Mahl bereitet, das allen Anwesenden mundete. Auch ein Wettbewerb im Hufeisen-Werfen stand noch auf dem Programm. Dabei siegte Karl-Heinz aus dem Vogtland mit 71 Punkten vor Helmut von Wöllhausen mit 66 und Sebastian von Schönreuth mit 63 Punkten.