Bogen-Turnier in Wöllhausen wie im Jahre 1245

Mittelalter-Turnier Bogenabteilung des SVE

Maschinen für Zeitreisen gibt es nur in der Science-Fiction-Literatur, nicht in der Wirklichkeit. Trotzdem kann man sich wie die Mitglieder der Bogenabteilung des SV Ebhausen so eine Maschine vorstellen. Dann hat jemand an diesem Gerät „775 Jahre zurück“ eingestellt und so ist man im Jahr 1245 gelandet. Das ist das Jahr, in dem Wöllhausen, einst ein selbständiger Ort neben Ebhausen, erstmals urkundlich erwähnt wurde. Der Burgvogt von Wöllhausen hatte zum Bogenturnier eingeladen. In der Einladung hieß es: „Nach der Vorrunde sollen die Besten ihr Können Mann gegen Mann beweisen. Immer der mit dem schlechteren Treffer soll das Turnierfeld räumen. Schlußendlich verbleibet der trefflichste Schütze.“

17 fast durchweg mittelalterlich gekleidete Bogner folgten dieser Einladung, darunter wie in den Robin-Hood-Geschichten auch ein Mönch. Es war nicht Bruder Tuck, dafür aber Bruder Harald. Auch ein Highlander im traditionellen Schottenrock und ein paar Kumpane von Robin Hood waren angereist. Schon bald flogen bei herrlichem Spätsommerwetter die Pfeile über den Turnierplatz an der Nagold. Die Scheiben auf den Strohballen hatten drei Wertungszonen. Nach der Vorrunde lag Jochen vom Hinteren Wald mit 135 Punkten ganz vorne, knapp dahinter Conrad von den Eulen und Helmut von Wöllhausen, beide mit 123. Nun wurden die Kämpfer entsprechend ihrer Platzierungen in vier Gruppen eingeteilt und jeweils nur ein Pfeil entschied über Weiterkommen oder Ausscheiden. So lichteten sich die Reihen der Kämpfer schnell. Die vier Gruppensieger durften dann in der abschließenden Finalrunde nochmals ihre Treffsicherheit unter Beweis stellen. Gutes Auge, sichere Hand und eiserne Nerven gaben jetzt den Ausschlag. Zunächst schieden Arminius von Talheim und dann Patricia von Britannien aus, belegten aber somit die Plätze vier und drei. Jetzt musste die Entscheidung fallen zwischen Stefanius vom Gaugenwald und MacUjo from Lemberg-Castle. Wieder schwirrten die befiederten Geschosse von den Sehnen und bohrten sich in die Scheiben. Beide trafen die Zehn. Der Pfeil des Highlanders steckte zwei Finger breit neben dem Mittelpunkt der Scheibe. Der Kämpfer vom Gaugenwald hat diesen Mittelpunkt nur um Haaresbreite verfehlt und wurde so zum gefeierten Turnier-Sieger. Es wurde ihm der Wanderpreis in Form eines Langbogens und eine mittelalterlich gestaltete Urkunde überreicht mit dem Text: „Ewiglich währender Ruhm solle Euch gewiss seyen“.

Schon vor dem Wettkampf wurde stilgerecht über dem offenen Feuer im großen Kessel ein kräftiges Mahl bereitet, das allen Anwesenden mundete. Auch ein Wettbewerb im „Flu-Flu-Schießen“ stand noch auf dem Programm. Dabei ging es darum, mit einem Pfeil mit großer, sechsfacher Befiederung mit einem indirekten Schuss hoch in die Luft einer rund 60 Meter entfernten, verdeckten Fahne so nahe wie möglich zu kommen. Da kämpften sich Andelko von der Alten Steige und Karl-Heinz aus dem Vogtland in 14 Runden bis zum Finale durch. Der letzte entscheidende Pfeil des Bogners von der Alten Steige landete nur zwei Ellen neben der Fahne und brachte ihm den Sieg, der Pfeil des Vogtländers steckte zwei Schritt daneben.

Dieser Beitrag ist bis zum 14.12.2020 verfügbar.