Die Teilnehmer des Ebhäuser Mittelalter-Turniers

Mittelalter-Turnier beim SV Ebhausen

Mancher möchte gerne die Zeit zurückdrehen. Eine Umfrage in Deutschland ergab, dass viele Mitmenschen am liebsten in den Achtzigern des vorigen Jahrhunderts leben würden. Die Bogenabteilung des SV Ebhausen liebt es noch extremer. Dort wurde zum internen Mittelalter-Turnier eingeladen und für einen Tag so getan, als würde man sich im Jahr 1218 befinden. In der Einladung heißt es: „Ihr müsset schießen mit dem Bogen auf 50 Fuß Distanz, welche sich Runde um Runde erhöhet. Jeder darf bey Beginne des Turnieres fünf Pfeile im Köcher tragen. Ein jeder geschossene Pfeil, der nicht im Kreise stecket, darf für die nachfolgenden Runden nicht mehr verwendet werden. Schlussendlich verbleibet der trefflichste Schütze.“

So fanden sich am Sonntag auf dem Ebhäuser Bogenplatz 15 mittelalterlich gekleidete Bogner ein. Ein Mönch war wieder dabei und diesmal sogar ein Kämpfer aus dem Volk der Mauren. Zu Beginn des friedlichen Wettstreits, auf den kurzen Distanzen, trafen alle das Ziel. Als die Entfernung dann aber ständig vergrößert wurde, landeten immer mehr Pfeile zwar noch auf den Strohballen, aber außerhalb des Zieles und wurden im dafür bereit gestellten Weidenkorb aus dem Wettbewerb genommen. Nach und nach lichteten sich die Reihen der Kämpfer deutlich, weil schon einige ihre fünf Pfeile „aufgebraucht“ hatten. In Runde zwölf schieden dann gleichzeitig noch Arminius von Talheim, Jochen vom Hinteren Wald und Stefanius vom Gaugenwald aus. Jetzt standen auf der Distanz von 170 Fuß – das sind knapp 50 Meter – nur noch Bruder Harald, der Mönch und Horst von der Silberstraße an der Schießlinie. Beide lieferten sich nun ein äußerst spannendes Duell. Jeder hatte noch einen Pfeil im Köcher. Zunächst verfehlten beide das Ziel und ein Stechschuss musste entscheiden. Dabei trafen beide und so wurde die Entfernung noch auf 180 Fuß vergrößert. Jetzt musste die Entscheidung fallen! Die befiederten Geschosse schwirrten von den Sehnen und bohrten sich in das Stroh. Der Recke von der Silberstraße verfehlte das Ziel ganz knapp, aber der Mönch bracht seinen Pfeil unter lautem Jubel im Kreis unter und wurde so wie im Vorjahr zum Turnier-Sieger. Ihm wurde eine mittelalterlich gestaltete Urkunde überreicht, in der es am Ende heißt: „Ewiglich währender Ruhm solle Euch gewiss seyen“. Der junge Knappe Conrad von den Eulen hat sechs Runden tapfer mitgehalten und wurde ebenfalls mit einem Preis belohnt.

Schon vor dem Bogen-Wettkampf wurde stilgerecht über dem offenen Feuer im großen Kessel ein kräftiges Mahl bereitet, das allen Anwesenden mundete. Auch ein Wettbewerb im „Flu-Flu-Schießen“ stand noch auf dem Programm. Dabei ging es darum, mit einem Pfeil mit großer, sechsfacher Befiederung mit einem indirekten Schuss hoch in die Luft einer rund 60 Meter entfernten, verdeckten Fahne so nahe wie möglich zu kommen. Auch da kämpfte sich Bruder Harald, der Mönch, bis ins Finale vor und hatte dort Helmut von Wöllhausen als Gegner. Der letzte entscheidende Pfeil des Wöllhäusers landete nur wenige Zentimeter neben der Fahne und brachte ihm den Sieg, dem Mönch fehlte ungefähr ein Meter.